Mit Menschen zusammenzuarbeiten, die erwiesenermaßen noch ein ganzes Stück emotionaler sind als man selber, ist eine harte Geduldsprobe. So zum Beispiel mein Art Director, der eine Lehrstunde bei der Budget Autovermietung an einem Schlomosamstag gut hätte gebrauchen können, was Stressbewältigung angeht. Kaum rückt ein Abgabedatum etwas näher, stöhnt und seufzt der Mensch schlimmer als eine Bordsteinschwalbe im Berufsverkehr, raschelt nervös mit Blättern herum, steht auf, rennt im Kreis, macht das Fenster auf (dann wieder zu), setzt sich, stöhnt, ächzt, raschelt, flucht, raschelt, flucht und...
...verwendet "Stop-Phrasen". Stop-Phrasen sind, wer schon mal versucht hat kreativ zu sein, diese kleinen, feinen Sätze, die einem jegliche Kreativität rauben. Instant decreativity, wie man es als Marketingschlampe wohl ausdrücken würde. Nachdem der Herr also geraschelt, geflucht und gestöhnt hat, schleicht er sich an mich heran und beendet mit einem kurz und knappen "Nein so nicht!" meine noch so zarten kreativen Ansätze. Das er damit jedem in der unmittelbaren Umgebung ernsthaft auf die Eier geht, kommt ihm nicht in den Sinn. Schließlich hat er als raschelnder Platzhirsch das ureigenste Recht sich von einem Anfall in den nächsten steigern zu dürfen.
Dank der ansonst netten Arbeit in der Agentur kommt man bei solchen Attacken aber meist mit einem Schrecken und der Erkenntnis, das sich instabile Emotionalität anscheinend geballt in den Medienberufen sammelt, davon.
lem - Donnerstag, 21. Juni 2007, 22:50