gefuehlt
Feuerzangenbowle. Grand manier. Wodka. Aspirin. Selbst schuld.
lem - Dienstag, 25. Dezember 2007, 21:57
Nölige Gefühle, die sich irgendwo zwischen Hunger und Übelkeit einordnen lassen, zehren über kurz oder lang an der Konzentration und an dem Willen, weiterhin untätig sitzen zu bleiben und sich mit Webdesign und Vokabeln zu beschäftigen. Mein Blick schweift immer öfter zu dem Telekommonument hin ab, mit seinen verglasten Verbindungsgängen in schwindelnder Höhe. Von hier aus sieht es so aus, als würde dieser Gang einfach im taubenblauen Nichts schweben. Darf man das überhaupt noch sagen? Taubenblau? Es könnte ja die Grippe drin sein. Die Karotten vom Supermarkt fristen ihr Dasein im Abfalleimer, die Hälfte davon war eine schlicht ungenießbare orangewäßrige Ansammlung von Pseudogemüse. Vielleicht rührt die unbestimmte Übelkeit ja davon her. Ich denke ich werde mich doch aufraffen, die Strasse überqueren und die alte quietschende Tram 19 Richtung Innenstadt nehmen – auf der Suche nach einem oder vielleicht auch zwei guten Büchern und vor allem viel frischer, taubenblauer Luft.
lem - Montag, 24. Oktober 2005, 13:59
Sie hat dich zum Opfer gemacht, und du hast es genossen. All die Widrigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hat, hast du auf dich bezogen. Und es geliebt. All die falsche Bewunderung und geheucheltes Mitleid von anderen für ihre Qualen. Ja, gib es zu, du genießt es. Es fehlt dir. Du definierst dich nur über das Unglück und über die Taten anderer. Wie schlecht es dir doch ginge. Wie hoch doch die Belastung wäre, mit der du zu kämpfen hättest. Als sie klein war, hat sie es gehasst, wie du vor anderen mit ihr als Belastung angeben musstest. Wie du sie als Vorwand gebraucht hast, um deine Wünsche durchzubringen. All diese Gesichter, die dir aufmunternde Worte, Mut und Mitleid aussprachen. Du hast sie nur benutzt. Du wolltest nie, dass es ihr besser geht. Denn du brauchtest ihr Unglück, um dich in scheinbarem Glück zu wiegen. Das Glück, von anderen für diese scheinbare Kraft mit all dem Unglück umzugehen, bewundert zu werden. Du wurdest zum tapferen Opfer, nein, du hast dich selber dazu auserkoren.
Du kannst bis heute nicht akzeptieren, dass sie nun ihr eigenes Leben hat. Dass du dort nichts mehr zu suchen hast. Dass du dir hier keinen Opferstatus mehr erwerben kannst. Du hast es immer noch nicht verstanden. Du wirst es nie verstehen.
lem - Sonntag, 9. Oktober 2005, 13:25
Mir geht es gut.
Oder?
lem - Freitag, 7. Oktober 2005, 14:19
Pah (gefuehlt)
Da ist sie wieder. Diese Unlust. Meist hockt sie unter meinem Tisch und glotzt mich an. Manchmal packt sie mich am Bein, in den seltensten Fällen kann ich sie abschütteln. Heute aber sitzt sie auf meinem Kopf, ganz oben. Thront dort und grinst. Ich weiß nicht so recht, was man gegen sie tun kann. Den Kopf in die Toilette stecken und kräftig spülen? Sobald sie nämlich dort oben sitzt, breitet sie ihren Schleier aus und die ganze Welt verschwindet hinter einem grauen, drückenden Gefühl. Eine Mischung aus Sinnvakuum, Müdigkeit und Seufzern. Hachje.
Ich möchte schlafen. Aber ich schlafe eh schon zuviel. Joni wundert sich auch schon darüber. Aber zur Zeit geht es einfach nicht anders. Vielleicht sollte ich mich aufraffen. Aktiver sein. Weniger Schlafen. Weniger Grübeln. Mehr leben. Das wäre mal ein Anfang...
lem - Freitag, 9. September 2005, 13:18
[listening to: the new pornographers - twin cinema]
»Was spielst du denn da?«
»Solitär.«
»Nochmal?«
»Ja.«
»Wolltest du nicht was arbeiten?«
»Ja.«
»Dann tu doch.«
»Gleich.«
»Schau mal der Wind weht deine Zeichnungen weg...«
»Ja.«
»Willst du sie nicht aufheben?«
»Gleich.«
Man gebe mir einen großen Hammer, nein, eine Kettensäge um meinen inneren Schweinehund zu zerlegen. Ich frage mich, ob das ein Phänomen des Erwachsenwerdens ist. Diese absolute Lustlosigkeit. Als Kind wollte ich soviel tun. Bin einfach mal so losgerannt, um den Block, und dann noch einmal und noch einmal. Soviel Energie. Wo ist die bloß hin. Wenn der innere Schweinehund das ist, was einen Erwachsenen ausmacht, möchte ich doch lieber ein Kind sein. Natürlich mit allen Annehmlichkeiten des Erwachsenseins. Das wäre ja sonst langweilig.
lem - Samstag, 3. September 2005, 12:06
Mein Körper fühlt sich an, als würde er zerfließen. Das kann daran liegen, dass mein Magen sein Eigenleben führen möchte. Habe heute schon zweimal geduscht. Aber vielleicht ist das garkeine so schlechte Vorstellung. Einfach wegzufließen. Zu spüren, wie jedes Atom im Körper zu Wasser wird, sich sammelt und in einem Rinsal den Boden entlang läuft und die Erde tränkt. Und dann, völlig körperlos, in dem endlosen Meer aus Wasser aufzugehen. Das Ende jeglichen Ichs.
Ich glaube, ich werde noch einmal duschen gehen.
lem - Freitag, 26. August 2005, 16:58