unsortierte (erinnerungen)
Ich schreckte hoch, weil jemand an meinem Bett saß. Sie lächelte mich an und fragte mich, ob mir nichts aufgefallen sei. Ich war nichtmal durch den Schreck ganz wach und schüttelte den Kopf. »Joni ist im Krankenhaus, seit heute nacht. Wir wollten dich nicht wecken.« Ich glotzte sie ungläubig an. Und ja, neben mir lag niemand. Ich hatte nichts gemerkt? Niemand hatte mir Bescheid gegeben? Was war los? Was ernstes? Meine Gedanken überschlugen sich und in mir wuchs dieses unglaublich drückende Gefühl. Ich solle Kaffee trinken kommen, meinte sie. Zitternd stand ich auf, immer noch völlig verwirrt. Er war weggegangen, ohne mir etwas zu sagen. Und es ging ihm schlecht. Mir wurde schwindelig bei dem Gedanken. Ich fragte mich ernsthaft, ob ich im falschen Film war. Alle Gefühle, die ich nicht ertragen kann rasten auf mich zu und rissen mich zu Boden. Ich setze mich immernoch zitternd an den Tisch und würgte den heißen Kaffee herunter. Sie erzählte mir, dass er eine Gallencholik hatte und deswegen seien sie ins Krankenhaus gefahren. Ich hätte so schön geschlafen, und sie wollten mich nicht beunruhigen. Ich brachte keinen Ton heraus. Nicht beunruhigen? Ich war innerlich auf 180..nein, eher auf 360. Es tat direkt weh, so wütend zu sein. Mein Magen drehte sich. Und das nicht nur wegen dem Koffein. Ich fuhr ins Krankenhaus - viel zu schnell, viel zu rücksichtslos. Verkehrsregeln waren mir auf einmal schnuppe. Er lag da in seinem Zimmer und grinste, als wolle er sich entschuldigen. Ich stürmte auf ihn zu und beschimpfte ihn wüst. Der ältere Herr im Bett nebenan schien die Szene anscheinend auch noch witzig zu finden. Ich war kurz davor, ihm den Hals umzudrehen. Es tat immernoch weh, so sauer zu sein. Ein Gefühl, als würde einem alle Ungerechtigkeit der Welt auf einmal wiederfahren. Als würde man innerlich verbrennen und doch ganz kalt sein. Dieses dumpfe, heiße Gefühl im Bauch. Ich fragte ihn, warum zum Geier mich keiner geweckt hatte. Ich kam mir vor wie der letzte Dreck. Das bist du ja auch. Dein Freund kommt ins Krankenhaus, und keiner gibt dir Bescheid. So unwichtig bist du also. Ich kämpfte mit den Tränen. Scheiße, jetzt nicht auch noch losheulen. Das hätte dem alten Kerl da drüben wahrscheinlich noch mehr gefallen.
Der Arzt kam zur Visite und ich drehte mich krampfhaft zum Fenster um. Sonst hätte ich ihn vielleicht auch noch angepflaumt. Meine Finger bohrten sich in meine Arme. Draußen war das schönste Wetter. Die ganze Welt schien mich zu verhöhnen. Der Arzt ging wieder - wahrscheinlich könne er heute schon entlassen werden. Nachdem ich ihn noch ein wenig weiter beschmipft hatte fuhr ich nach Hause. Das Zimmer war leer, keiner da. Mit den Menschen in der Wohnung drüben wollte ich nichts zu tun haben. Denen war ich sowieso schnuppe. Kein Mitgleid der Familie, dem man Bescheid gibt, wenn etwas passiert. Unwichtig. Allein. Sauer.
Ich setzte mich auf die Bettkante und konnte nur noch heulen. Dieses Gefühlschaos tobte in mir, und ich bekam mich einfach nicht ein. Bekam keine Luft mehr. Schlug mit der Faust gegen die Wand. Immer wieder. Solange bis sich ein roter Fleck auf der weißen Wand gebildet hatte. Es war mir egal, wenn meine Knöchel nur noch Matsch wären. Scheißegal. Irgendwann fehlte mir auch die Kraft, weiter gegen die Wand zu schlagen. Ich schnappte nach Luft während mir immer noch Tränensturzbäche das Gesicht runterliefen. Dieser scheiß Wecker stand mir im Weg. Ich packte ihn und schleuderte ihn gegen die Wand. Das dumme Ding zerprang in tausend Teile. Ich fühle mich trotzdem nicht besser.
Sie hatte anscheinend den Lärm gehört und kam ins Zimmer. Ich brüllte sie an warum sie mir nichts gesagt hatten. Scheiße, es war mir doch unwichtig, ruhig zu schlafen, wenn es dem, den ich liebe schlecht geht. Ich verstand es einfach nicht. Ich bin der letzte Dreck, murmelte ich vor mich hin. Sie nahm mich in den Arm und entschuldigte sich. Ich hörte es fast nicht. Alles war so weit weg. Sie meinte, ich solle ein wenig schlafen. Teilnahmslos legte ich mich hin und schluchzte ein wenig weiter. So ein verdammter Scheißtag.
Irgendwann rief er dann an, er würde entlassen werden. Ob ich ihn abholen könne. Es war mir alles egal. Völlig mechanisch holte ich meinen Schlüssel. Nach dem Gefühlschaos nun völlig Leere. Garnichts mehr. Wieder zuhause, konnte ich ihn nicht ansehen. Irgendwann legte er sich hin. Ich konnte nicht schlafen. Die Angst, er könnte wieder verschwinden, wenn ich die Augen schließen würde, war zu groß. Ich saß vor dem Schrank auf dem Boden und schaute ihm beim Schlafen zu. Mein Kopf dröhnte. Ja nicht einschlafen. Pass auf, sonst geht er weg. Und keiner gibt dir Bescheid. Und dann bist du allein. Pass bloß auf. Nicht einschlafen.
Anmerkung der Redaktion, speziell für Flo: Nein, ich habe nicht vor von der Brücke zu springen, auch wenn dieser Text das vielleicht implizieren mag.
Der Arzt kam zur Visite und ich drehte mich krampfhaft zum Fenster um. Sonst hätte ich ihn vielleicht auch noch angepflaumt. Meine Finger bohrten sich in meine Arme. Draußen war das schönste Wetter. Die ganze Welt schien mich zu verhöhnen. Der Arzt ging wieder - wahrscheinlich könne er heute schon entlassen werden. Nachdem ich ihn noch ein wenig weiter beschmipft hatte fuhr ich nach Hause. Das Zimmer war leer, keiner da. Mit den Menschen in der Wohnung drüben wollte ich nichts zu tun haben. Denen war ich sowieso schnuppe. Kein Mitgleid der Familie, dem man Bescheid gibt, wenn etwas passiert. Unwichtig. Allein. Sauer.
Ich setzte mich auf die Bettkante und konnte nur noch heulen. Dieses Gefühlschaos tobte in mir, und ich bekam mich einfach nicht ein. Bekam keine Luft mehr. Schlug mit der Faust gegen die Wand. Immer wieder. Solange bis sich ein roter Fleck auf der weißen Wand gebildet hatte. Es war mir egal, wenn meine Knöchel nur noch Matsch wären. Scheißegal. Irgendwann fehlte mir auch die Kraft, weiter gegen die Wand zu schlagen. Ich schnappte nach Luft während mir immer noch Tränensturzbäche das Gesicht runterliefen. Dieser scheiß Wecker stand mir im Weg. Ich packte ihn und schleuderte ihn gegen die Wand. Das dumme Ding zerprang in tausend Teile. Ich fühle mich trotzdem nicht besser.
Sie hatte anscheinend den Lärm gehört und kam ins Zimmer. Ich brüllte sie an warum sie mir nichts gesagt hatten. Scheiße, es war mir doch unwichtig, ruhig zu schlafen, wenn es dem, den ich liebe schlecht geht. Ich verstand es einfach nicht. Ich bin der letzte Dreck, murmelte ich vor mich hin. Sie nahm mich in den Arm und entschuldigte sich. Ich hörte es fast nicht. Alles war so weit weg. Sie meinte, ich solle ein wenig schlafen. Teilnahmslos legte ich mich hin und schluchzte ein wenig weiter. So ein verdammter Scheißtag.
Irgendwann rief er dann an, er würde entlassen werden. Ob ich ihn abholen könne. Es war mir alles egal. Völlig mechanisch holte ich meinen Schlüssel. Nach dem Gefühlschaos nun völlig Leere. Garnichts mehr. Wieder zuhause, konnte ich ihn nicht ansehen. Irgendwann legte er sich hin. Ich konnte nicht schlafen. Die Angst, er könnte wieder verschwinden, wenn ich die Augen schließen würde, war zu groß. Ich saß vor dem Schrank auf dem Boden und schaute ihm beim Schlafen zu. Mein Kopf dröhnte. Ja nicht einschlafen. Pass auf, sonst geht er weg. Und keiner gibt dir Bescheid. Und dann bist du allein. Pass bloß auf. Nicht einschlafen.
Anmerkung der Redaktion, speziell für Flo: Nein, ich habe nicht vor von der Brücke zu springen, auch wenn dieser Text das vielleicht implizieren mag.
lem - Montag, 29. August 2005, 19:49
