Stell dir vor es ist Fernsehen... und keiner geht hin. (alltaegliches)
Seit Anfang diesen Jahres bleibt bei uns die Kiste kalt. Einfach so, es gab keinen bestimmten Grund. Es ist wie mit dem Rauchen aufzuhören: die, die es einfach von heute auf morgen lassen, bleiben auch gut dabei, es zu lassen. Inzwischen ist der Kabelvertrag ausgelaufen. Filme und ein, zwei Serien schauen wir dennoch, aber nicht mehr im TV, sondern über alternative Kanäle wie iTunes oder auf DVD, Blue ray. Es tut einfach gut, einen Film genießen zu können ohne die im Zehnminutentakt stattfindende Beschallung mit sinnfreien Werbeblöcken, in denen seit dem ich zurückdenken können doch nur immer wieder Autos oder Milchschnitten angepriesen werden. Ganz zu schweigen vom Originalton. Oder ab 18 Versionen in denen der Film endlich Sinn macht.
Nachrichten. Die Tagesschau war noch nie meins. Ich erinnere mich an die quälenden Minuten vor dem Spielfilm als Kind, bei denen meine Eltern wie gebannt auf für mich damals sehr witzlos aussehende Sprecher starrten und das Weltgeschehen aufsogen. Ich wollte Indiana Jones, stattdessen gabs Politik. Kein Einzelschicksal.
Inzwischen bin ich eigentlich in dem Alter, in dem man die Tagesschau wieder würdigen könnte. Stattdessen habe ich eine Abneigung gegen Mainstream-Medien, wie man sie ja so schön nennt, entwickelt. Die 15 Minuten Nachrichten erfüllen mich nicht mit der Gewissheit, über das aktuelle Weltgeschehen gut informiert zu werden. Meine Nachrichten finden inzwischen in Blogs, Newsgroups, Nachrichtendiensten und Foren statt. Informationen, die nicht von Pressediensten gefiltert, banalisiert oder etwa aufgebauscht wurden, um dem Geschmack der Massen zu entsprechen.
Gestern war es wieder soweit, das ich wiedermal einen Nachrichtenblock miterleben durfte. Nun ist ein privater Sender natürlich kein Maßstab, aber dennoch waren die 15 Minuten wieder typisch für das, was ich so verabscheue. Die fast schon amerikanische Art, Angst und Terror in auch die kleinste Nachricht zu verpacken. Einleitend der Bericht über die IAA, bei denen die chinesischen Besucher ins Kreuzfeuer genommen wurden, und, obwohl ich mir der Tatsache bewusst bin, das Plagiarismus ein Problem darstellt, konnte ich mich der Vorstellung nicht erwehren, das hier antichinesische Resentiments gehegt und gepflegt werden. Der Beitrag lässt sich wohl in dem Satz: "Die Chinesen klauen uns die Ideen. Deutsche, fürchtet euch!" zusammenfassen.
Weiter ging zur Wahl und der kürzlich aufgetauchten Terrordrohung, in der ein, fand ich, für einen Terroristen doch sehr nett mit Anzug und Krawatte (garnicht dem Klischee entsprechend) zurechtgemachter Typ Deutschland den Krieg erklärt wenn sich nach der Wahl nichts ändert. Liebe Terroristen, nach den Wahlen ändert sich nie etwas. This is germany. Zusammenfassung des Beitrags: "Die Terroristen sprengen uns alle zurück in die Steinzeit. Deutsche, fürchtet euch!"
Im gleichen Atemzug der Schwenk aufs am Freitag noch nicht eröffnete Oktoberfest, Schnitt auf gelangweilt patroullierende Beamte, davon der eine so angestrengt lächelnd, als ob ihm das Ganze furchtbar peinlich wäre. Terrorgefahr natürlich auch hier. Und Schläger. Und die Schweinegrippe. Der gutgemeinte Hinweis des interviewten Wiesenwirts, sich doch die Hände zu waschen und nicht jede Beliebige abzubusserln, geht unter in dem angsterfüllten Gewäsch, das sich Deutsche nun auch vor besoffenen Terrorschlägerschweinebegrippten fürchten müssen.
Cut auf das betroffen dreinblickende Gesicht der Moderatorin. Wir sind beim neuesten Amokläufer. Abgesehen davon, das die Berichterstattung genauso schleimig und ekelhaft ist wie bei allen anderen Vorkommnissen dieser Art, in der Täter und Opfer, seien sie auch noch so minderjährig, durch die Mühlen der Käsepresse gequetscht und Abendblatttauglich aufbereitet werden, wird mit einem geschickt platzierten Hinweis, der Täter sei Einzelgänger, die ganze Tat für Ottonormalhans vor der Glotze schon geklärt, bevor die Ermittlungen überhaupt abgeschlossen wurden. Einzelgänger sofort verbieten. "Deutsche, fürchtet euch vor Einzelgängern!"
Die Krönung der 15 Minuten Angst ist der Bericht über Bakterienherde im eigenen Haus, bestimmt vom Desinfektionsmittelhersteller gesponsert. Da die Schweinegrippe schon abgearbeitet wurde, und vor allem für die meisten Bundesbürger keine greifbare Bedrohung zu sein scheint, fällt die letzte Bastion. Der Feind in deinem eigenen Haus. Auf deiner eigenen Kloschüssel.
Gottseidank rettet die Abfahrtszeit des Busses uns vor der Aufklärung, wie man den Grabenkrieg am Klorand gewinnen könnte und so die häusliche Apokalypse abwenden kann. Gepriesen sei der MVV und sein unheiliges Timing.
Nachrichten. Die Tagesschau war noch nie meins. Ich erinnere mich an die quälenden Minuten vor dem Spielfilm als Kind, bei denen meine Eltern wie gebannt auf für mich damals sehr witzlos aussehende Sprecher starrten und das Weltgeschehen aufsogen. Ich wollte Indiana Jones, stattdessen gabs Politik. Kein Einzelschicksal.
Inzwischen bin ich eigentlich in dem Alter, in dem man die Tagesschau wieder würdigen könnte. Stattdessen habe ich eine Abneigung gegen Mainstream-Medien, wie man sie ja so schön nennt, entwickelt. Die 15 Minuten Nachrichten erfüllen mich nicht mit der Gewissheit, über das aktuelle Weltgeschehen gut informiert zu werden. Meine Nachrichten finden inzwischen in Blogs, Newsgroups, Nachrichtendiensten und Foren statt. Informationen, die nicht von Pressediensten gefiltert, banalisiert oder etwa aufgebauscht wurden, um dem Geschmack der Massen zu entsprechen.
Gestern war es wieder soweit, das ich wiedermal einen Nachrichtenblock miterleben durfte. Nun ist ein privater Sender natürlich kein Maßstab, aber dennoch waren die 15 Minuten wieder typisch für das, was ich so verabscheue. Die fast schon amerikanische Art, Angst und Terror in auch die kleinste Nachricht zu verpacken. Einleitend der Bericht über die IAA, bei denen die chinesischen Besucher ins Kreuzfeuer genommen wurden, und, obwohl ich mir der Tatsache bewusst bin, das Plagiarismus ein Problem darstellt, konnte ich mich der Vorstellung nicht erwehren, das hier antichinesische Resentiments gehegt und gepflegt werden. Der Beitrag lässt sich wohl in dem Satz: "Die Chinesen klauen uns die Ideen. Deutsche, fürchtet euch!" zusammenfassen.
Weiter ging zur Wahl und der kürzlich aufgetauchten Terrordrohung, in der ein, fand ich, für einen Terroristen doch sehr nett mit Anzug und Krawatte (garnicht dem Klischee entsprechend) zurechtgemachter Typ Deutschland den Krieg erklärt wenn sich nach der Wahl nichts ändert. Liebe Terroristen, nach den Wahlen ändert sich nie etwas. This is germany. Zusammenfassung des Beitrags: "Die Terroristen sprengen uns alle zurück in die Steinzeit. Deutsche, fürchtet euch!"
Im gleichen Atemzug der Schwenk aufs am Freitag noch nicht eröffnete Oktoberfest, Schnitt auf gelangweilt patroullierende Beamte, davon der eine so angestrengt lächelnd, als ob ihm das Ganze furchtbar peinlich wäre. Terrorgefahr natürlich auch hier. Und Schläger. Und die Schweinegrippe. Der gutgemeinte Hinweis des interviewten Wiesenwirts, sich doch die Hände zu waschen und nicht jede Beliebige abzubusserln, geht unter in dem angsterfüllten Gewäsch, das sich Deutsche nun auch vor besoffenen Terrorschlägerschweinebegrippten fürchten müssen.
Cut auf das betroffen dreinblickende Gesicht der Moderatorin. Wir sind beim neuesten Amokläufer. Abgesehen davon, das die Berichterstattung genauso schleimig und ekelhaft ist wie bei allen anderen Vorkommnissen dieser Art, in der Täter und Opfer, seien sie auch noch so minderjährig, durch die Mühlen der Käsepresse gequetscht und Abendblatttauglich aufbereitet werden, wird mit einem geschickt platzierten Hinweis, der Täter sei Einzelgänger, die ganze Tat für Ottonormalhans vor der Glotze schon geklärt, bevor die Ermittlungen überhaupt abgeschlossen wurden. Einzelgänger sofort verbieten. "Deutsche, fürchtet euch vor Einzelgängern!"
Die Krönung der 15 Minuten Angst ist der Bericht über Bakterienherde im eigenen Haus, bestimmt vom Desinfektionsmittelhersteller gesponsert. Da die Schweinegrippe schon abgearbeitet wurde, und vor allem für die meisten Bundesbürger keine greifbare Bedrohung zu sein scheint, fällt die letzte Bastion. Der Feind in deinem eigenen Haus. Auf deiner eigenen Kloschüssel.
Gottseidank rettet die Abfahrtszeit des Busses uns vor der Aufklärung, wie man den Grabenkrieg am Klorand gewinnen könnte und so die häusliche Apokalypse abwenden kann. Gepriesen sei der MVV und sein unheiliges Timing.
lem - Samstag, 19. September 2009, 18:36
